Preußen Schänke

Wohl jeder Reisende hat diesen barackenartigen Bau an Potsdams südlichem Stadtrand auf dem Weg nach Beelitz oder Michendorf schon einmal bemerkt. War da nicht mal ein Hundezüchter-Club oder Schützenverein? Man fährt immer und immer wieder vorbei und will irgendwie wissen, was sich wohl im Inneren verbirgt. Darum sind wir einmal hineingegangen.

Auf dem riesigen Hof vor der Location, auf dem eine Buskolonne spielend stundenlang im Kreis fahren könnte, entdecken wir einen Biergarten, an dessen rustikalen Holztischen man im Sommer sicherlich sehr gut für ein Bier einkehren kann.

Beim Betreten der Location wird klar, dass der Name Preußen Schänke Programm ist: Man fühlt sich umgehend wie in einer alten preußischen Schänke. Im urig eingerichteten Gastraum finden unter den Fachwerkbalken grob geschätzt knapp 70 Gäste Platz. Hinten nimmt ein Kachelofen nahezu die gesamte Rückwand ein und muss im Winter eine wohlige Wärme verbreiten.

Hausmannskost statt ‚etepetete‘

Und das setzt sich in der Karte fort. Neumodischen Schnickschnack wie edlen Hummer, exotisches Auberginenpüree oder gedünstete Jakobsmuscheln sucht der hungrige Besucher vergebens. Die Preußen Schänke findet den Weg in die Herzen durch Bodenständiges wie zum Beispiel  traumhaftes, stets frisch zubereitetes Wildgulasch oder knuspriges Spanferkel, welches regelmäßig dem hauseigenen Backofen entspringt. Und das alles zu Preisen, wie du sie in Potsdams Innenstadt wohl nicht so schnell findest.

Und man mag es von dieser so rustikal eingerichteten Location nicht erwarten, aber der Kaffee ist in all seinen Variationen ein Genuss. Dieser kommt nämlich aus einer edlen Rocket Professionale mit Kaffee des Potsdamer Coffee-Experten ‚Espressionisten‘. Genau, die in der Gutenbergstraße: Der Kenner weiß Bescheid.

Kuchen, Käse, Krustenbraten

Was das Frühstück betrifft, überrascht die Preußen Schänke in vielerlei Hinsicht: Welches Potsdamer Restaurant bietet schon wochentags ab 7 Uhr Frühstück? Toll.

Sonntags geht’s etwas später los. Zwischen 10 und 13 Uhr könnt ihr hier genüsslich schlemmen. Geneigte Autofahrer sollten sich bei einem Besuch gerade zur sonntäglichen Frühstückszeit jedoch nicht zu früh freuen. Ruckzuck ist der Parkplatz prall gefüllt mit Autos, die offenbar aus der gesamten Mittelmark hierher strömen. Und das hat einen Grund: Das Preis-Leistungsverhältnis für das Brunch sucht seinesgleichen.

Ihr findet Rührei, eine große Auswahl an Käse sowie riesige rustikale Wurstplatte an einem ewig langen und bis 13 Uhr stets nachgefüllten Buffet. Und ausdauernde Esser können nahtlos zum warmen Mittag übergehen: Krustenbraten mit Rotkohl oder Frikassee. Danach noch ein Stückchen hausgemachten Kuchens? Brunch eben.

Und mit schmalen 12,50 Euro pro Person braucht es sich hinter den bekannten Potsdamer Frühstücksexperten sicher nicht zu verstecken. Uns schießen da die 19 Euro im edlen Mövenpick am Park Sanssouci, die knapp 14 Euro sonntags im mega-zentralen Café Alex am Platz der Einheit oder gar die stattlichen 20 Euro im Wiener Café in den Sinn.

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Kleiner Tipp von uns: Zwar ist Reservieren am Wochenende nicht Pflicht, es vermag dir jedoch drastische Vorteile beim Kampf um die begehrten Plätze verschaffen.

Speisenangebot, bodenständiges Ambiente sowie familiärer Service werden nach und nach dafür sorgen, dass dieser Geheimtipp sicher nicht mehr lange so geheim bleibt. Wir kommen gern wieder.

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„Arema“ – Meine Mühle

von Gastautorin Eileen

Einst die Metzgerei der Familie Kuhlke, die wohl um die Jahrhundertwende diesen Fleischwarenbetrieb in der Birkenstraße 30, unweit des heute dort gelegenen U-Bahnhofs unterhielt. Heute ist das Arema, aus dem Kurdischen für „Meine Mühle“, ein Café und Restaurant. Das Bild über der Kaffeemaschine, neben dem Tresen, vermutlich um 1914/15 entstanden, zeigt die ca. 20-köpfige Mannschaft der ehemaligen Metzgerei. 

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Es macht neugierig – hakt man bei dem überaus freundlichen Personal nach, wird schnell klar, dass dieses Haus noch immer eng mit seiner Geschichte verwoben ist. Beim Umblicken fallen schnell die Jugendstilfliesen an den Wänden auf, ebenso alte mit verziertem Glas verkleidete Lampen, liebevoll arrangierte Holztische, Sessel, Sofas und Stühle. Mit Liebe zum Detail und zu Vergangenem eingerichtet, schmücken auch Bilder mit Motiven aus vergangenen Jahrhunderten die Wände. Der Flöte spielende Alte Fritz kann so schon mal mit von der Kaffee-Partie sein. Dem Besitzer selbst ist daran gelegen, etwas aus der Historie des Ladens zu bewahren und mit Modernem zu mixen. Hieraus ist eine ganz eigene, sehr warme und gemütliche Atmosphäre entstanden.

Hunger & Durst, Joghurt & Schnitzel

Vor den Bücherregalen sitzend, trifft man auf Menschen die allein für sich schreiben oder lesen wollen, aber auch auf Familien oder kleinere Gruppen, in Gespräche bei duftendem Kaffee vertieft.

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Hunger und Durst lassen, bei dem Blick auf die Teller der anderen Gäste, nicht lang auf sich warten. In der Speisekarte erblickt man dann eher süddeutsche Spezialitäten, was der Name nicht vermuten lässt. Neben klassischen Suppen und Salaten, gibt es original schwäbische Maultaschen mit diversen Füllungen. Neben Nürnberger Würstchen mit Kartoffelpüree, hausgemachten Spätzle, auch das Schnitzel „Wiener Art“ mit lauwarmem Kartoffelsalat. Portionen die sicher satt machen. Für die Spätaufsteher unter uns gibt es ein reichhaltiges Frühstück bis 16.00 Uhr aus verschiedenen Rührei- und Omelettevariationen. Bis 18.00 Uhr ist es jedoch immer noch möglich ein Frühstück zu bekommen – wenn auch nur klein, so werden diverse Müsli und Joghurtkombinationen mit frischen Früchten angeboten. Gerne werden auch individuelle Wünsche berücksichtigt, so ist es zumindest auf der Karte vermerkt.

Fazit

Keine experimentierfreudige Küche, eher bodenständig und etwas für den ordentlichen Appetit. Die warme und liebevoll gestaltete Atmosphäre lädt einfach zum Verweilen ein. Wenngleich das Arema in Moabit kein Geheimtipp mehr ist, so sei es dem empfohlen, der am Sonntagnachmittag auf der Suche nach einem gemütlichen und ruhigen Platz ist, zum Zeitung lesen und Kaffee trinken. Sowie denen, die unter der Woche abends, gerne noch ein Afterwork-Bier genießen oder auch mal einen Cocktail schlürfen wollen. Für das leibliche Wohl ist immer gesorgt.