Belvedere auf dem Pfingstberg

Der Pfingstberg ist zwar nur zarte 76 Meter hoch und zankt dennoch mit dem nahen Ruinenberg um den Status höchste Erhebung im Norden Potsdams. Das auf ihm thronende Schloss Belvedere setzt dem ganzen jedoch sprichwörtlich die Krone auf. Es reiht sich nahtlos in die lange Reihe traumhafter Schlösser Potsdams ein.

Im Grunde ist das Belvedere ein völlig nutzloses Gebäude, da es über keine großen Räumlichkeiten verfügt. Und als nichts anderes als ‚Schmuck‘ wurde es einst gar geplant. Einzig sinnhaft erscheint der Innenhof: Darin steht nämlich ein Swimming-Pool.

Dennoch sollte man das Belvedere einmal besuchen. Wer Lust und etwas Geduld hat, kann für faire 4,50 Euro einen der beiden – oder auch beide – Türme über die schmale Wendeltreppe erklimmen. Der Aufstieg lohnt sich: Hier oben bietet das Belvedere einen einzigartigen 360-Grad-Rundumblick über Potsdam.

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Man sieht wirklich jedes Gebäude, jeden Kirchturm und sogar die Eisenbahnbrücke über dem Templiner See. Bei gutem Wetter lässt sich sogar bis zum Alexanderplatz mit dem Fernsehturm in Berlin spähen. Wer das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, meint in jedem Bild eine Fotomontage zu entdecken.

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Heiraten?

Und wenn ihr es ganz ausgefallen mögt, könnt ihr im Maurischen Kabinett des Schlosses sogar standesamtlich heiraten. Gern auch mehrmals. Die Partnerwahl sollte jedoch nach reichlicher Überlegung getroffen worden sein, denn die knapp 500 Euro extra für Raummiete und Gebühr fürs Standesamt gibt man nur einmal gern aus.

So romantisch

Und noch ein Tipp für alle Romantiker: An mehreren Freitagabenden im Sommer habt ihr jeweils bis 23 Uhr die Gelegenheit, im wundervoll erleuchteten Belvedere bei klassischer Musik den Sonnenuntergang zu erleben.

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Durften wir selber schon erleben – ein Traum und ein hervorragender Start ins sommerliche Wochenende.

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Potsdamer Schlössernacht

Es ist August: Wenn von irgendwoher in der Stadt klassische Musik ertönt, Massen an Menschen in Richtung des Parks Sanssouci strömen und der Potsdamer Himmel im spätsommerlichen Abendlicht in Tausenden von Farben schimmert, dann kann es nur die Potsdamer Schlössernacht sein.

Vorweg sei gesagt: Bei mittlerweile annähernd 50 Euro pro Ticket sucht man ja schon intensiv nach Dingen, die diesen Preis irgendwie nicht rechtfertigen. Jedoch vermag man nicht viel zu finden. Die Potsdamer Schlössernacht wird einfach jedes Jahr besser und aufregender.

Auch in diesem Jahr war sie einfach eine einzige großartige Attraktion mit unzähligen klassischen und modernen Konzerten und Theaterstücken, schrägen Gauklern und Artisten, mit Musik an jeder Ecke, unter jedem Baum, am Fuße eines jeden Schlosses oder Pavillons. Und das für wirklich jeden Geschmack. Und um alle Attraktionen dieses besonderen Jahres-Events live zu erleben, ist ein Nachmittag nicht ausreichend. Vielmehr solltest du dir den ganzen Tag Zeit nehmen und genügend Pausen einlegen. Genügend Gelegenheit dazu bieten die zahlreichen Sitzgelegenheiten und Verweilmöglichkeiten im und um den Park sowieso. Und natürlich ist für das leibliche Wohl auch gesorgt: von der rustikalen und schlichten Bratwurst über zeitgenössische Speisen und Getränke aus der Zeit Friedrichs des Großen bis hin zur gehobenen modernen Gastronomie kann man sich echt durchprobieren und den ein oder anderen Euro auch über den Eintritt hinaus versenken.

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Aber Obacht: Wenn du im März erst Eintrittskarten – womöglich in mehrfacher Menge – erwerben möchtest, könntest du mitunter bereits zu spät sein. Die Schlössernacht ist über die Stadtgrenzen hinaus neben dem Stadtwerkefest im Juli die größte Attraktion des Potsdamer Kulturjahres. Wenn du jedoch an Karten gekommen bist, solltest du am Tag der Veranstaltung einen Weg finden, wie du ohne eigenen Pkw dorthin gelangst. Nur zwei Worte zu den Parkmöglichkeiten: No way! Ja, selbst mit dem Fahrrad könntest du mitunter Probleme bekommen, einen geeigneten Standort zu finden. Dies gilt leider für alle Parkeingänge rundherum. Bei guter individueller An- und Abreiseplanung sollte einem unvergesslichen Abend jedoch nichts im Wege stehen.

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Fazit

Als waschechter Potsdamer musst du mindestens einmal im Leben bei der Potsdamer Schlössernacht gewesen sein und die unglaubliche Atmosphäre an diesem geschichtsträchtigen Ort erlebt haben. Aber auch für Potsdam-Besucher sollte dieses Ereignis nahezu ganz oben auf der To-Do-Liste stehen.

Tempelhofer Feld

Das Tempelhofer Feld ist ein Park auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in den Stadtteilen Neukölln und Tempelhof. Mit 355 Hektar ist das Gelände der größte Stadtpark Berlins und bietet jede Menge Platz für Sportbegeisterte, Familien, Chiller und den Rest.

Auf der Start- und Landebahn können Besucher ausgiebig Sport treiben. Jogger, Radfahrer, Skater oder Kiter drehen hier vergnügt ihre Runden. Andere lassen sich auf einer Decke in der Wiese nieder und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Und wieder andere treffen sich mit Freunden zu ausgelassenen Grillpartys Achtung: Das Grillen ist nur an ausgeschilderten Bereichen erlaubt). Auch eine Minigolf-Anlagen und einen Gemeinschaftsgarten gibt es hier. Und für die Hundebesitzer unter euch gibt es auch genügend Platz und ihr dürft mit euren Lieblingen im dafür vorgesehenen Hundeauslaufgebiet herumtollen.

Ein ewiges Hin und Her

Wie könnte es anders sein, so war auch der Flughafen Tempelhof bei seiner Fertigstellung 1928 zu klein. So wurde er ab 1940 nur mehr von der Rüstungsindustrie benutzt und erst 1945, nach Ende des Zweiten Weltkrieges, durften wieder Flugzeuge starten. Als 1970 der Flughafen Tegel in Betrieb genommen wurde, schloss man Tempelhof für den zivilen Luftverkehr und eröffnete ihn erst 15 Jahre später erneut.

Und als dann der Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) bzw. BER beschlossen wurde – wer hätte denken können, dass die Fertigstellung sooo lange dauern würde -, wurde Tempelhof 2008 endgültig geschlossen und am 8. Mai 2010 als Erholungspark wieder eröffnet.

Am 25. Mai 2014 kam es zu einem (positiven) Volksentscheid nachdem die Bürgerinitiative „100% Tempelhofer Feld“ sich zum Ziel gemacht hat, die Freifläche vollständig für die Öffentlichkeit zu erhalten und die Bebauung zu stoppen.

Wann und wo?

Die Öffnungszeiten des Parks richten sich nach den Jahreszeiten bzw. nach dem Sonnenaufgang und –untergang. Demnach können Besucher zum Beispiel im Januar und Dezember von 07:30 bis 17:00 Uhr ihre Runden am Rollfeld drehen und im Juni und Juli sogar von 06:00 bis 22:30 Uhr.

Betreten werden kann das Feld von zehn Eingängen, sechs davon befinden sich an der Oderstraße im Osten des Feldes, jeweils einer ist am S- und U-Bahnhof Tempelhof, am U-Bahnhof Paradestraße, am Columbiadamm und an der Golßener Straße.

Titelbild:

von Soyyosoycocomiel (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Viktoriapark

Ein Wasserfall mitten in der Stadt? Mit 24 Metern Höhe mitten in Kreuzberg? Ohne natürliche Quelle, aber mit einem Wasserumlauf von 13.000 Litern pro Minute?

Was sich zunächst ein wenig schräg anhört, ist schon seit geraumer Zeit Realität im Berliner Süden, der mit einer Nachbildung des Heynfalls aus dem Riesengebirge im Miniaturformat aufwartet und ganz schön Eindruck schindet. Der Wasserfall mit den kurvenreichen Pfaden und Brücken die ihn umschlingen, wirkt wie eine kleine Oase inmitten der Großstadt, die man beim Aufstieg auf den Kreuzberg bestens bewundern kann. Kein Wunder, dass der Viktoriapark bei Touristen wie Anwohnern gleichermaßen beliebt ist.

Mit seinen Dimensionen vermag der Park hingegen kaum zu protzen: Etwa 30 Meter ragt der Kreuzberg mit Denkmal in die Höhe, nur knapp 13 Hektar umfasst das gesamte Parkareal und die Trauben, die am Hang des Kreuzbergs angebaut werden, reichen gerade einmal für etwa 200 Flaschen Wein im Jahr. Trotzdem begeben wir uns auf den Weg nach oben.

Hoch hinauf zum Schinkel-Denkmal

Für einen bayerischen Bergliebhaber wird der Kreuzberg wohl kaum als echter Berg durchgehen, geschweige denn als Hügel. Trotzdem ist er die höchste natürliche Erhebung, welche die Berliner Innenstadt zu bieten hat. Wobei: ‚Natürlich‘ ist die Spitze nicht mehr wirklich. Dort überblickt nämlich seit knapp 200 Jahren ein an den Turm einer gotischen Kathedrale erinnerndes Nationaldenkmal für die Siege in den Befreiungskriegen gegen Napoleon die Weiten der Stadt – mit einem Kreuz auf seiner Spitze. Und ja, drei Mal dürft ihr raten woher der Kreuzberg seinen Namen hat… Schinkel würde sich sicherlich freuen. Der Park selbst wurde erst 1888 angelegt und der Gemahlin des damaligen Kaisers gewidmet – Kaiserin Viktoria, die im Übrigen die Tochter der legendären Queen Victoria war. Berlin hat einfach schon immer Prominenz angezogen.

Oben angekommen garantiert die Aussichtsplattform des Schinkeldenkmals einen weitläufigen Blick über Berlin. In nicht allzu großer Ferne erkennen wir den Fernsehturm, den Potsdamer Platz und die Domtürme am Gendarmenmarkt. Beeindruckend ist außerdem der Ausblick auf die Großbeerenstraße, die mit dem Wasserfall zu einer Linie verschmilzt und uns in die Ferne zieht.

Entspannen in der Klinkerstein-Villa

Der erfolgreiche Aufstieg auf den Kreuzberg will an einem heißen Sommertag natürlich auch belohnt werden. Am besten mit einem kühlen Getränk oder einem entspannten Cappuccino. Besonders gut geeignet ist dafür die Tomasa Villa Kreuzberg, die von der Kreuzbergstraße aus nördlich in den Park hinein ragt. Zugegeben, die Villa zählt bei Weitem nicht zu den günstigsten Möglichkeiten in Kreuzberg essen zu gehen (wer hätte bei dem Namen auch anderes erwartet). Aber wer immerhin ein Getränk in herrschaftlichem Ambiente genießen will, ist hier bestens aufgehoben. Während bei Regenwetter eine edle Inneneinrichtung und zwei Kamine locken, zieht es uns an diesem heißen Tag im Mai an einen der Tische im Außenbereich. Da der Innenhof bereits besetzt ist, nehmen wir im Laubengang Platz und genießen ein wenig Urlaubsflair.

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Wer sich übrigens gefragt hat, wie das Wasser auf den Kreuzberg kommt, bevor es ihn wieder herunter fällt: Dafür sorgen die Pumpen im Keller der Klunkersteinvilla.

Eure Sarah

Bürgerpark Pankow

An diesem sommerlichen Maisonntag verschlägt es uns in den tiefsten Norden der Stadt. Genauer gesagt nach Pankow, wo wir von der gleichnamigen S- und U-Bahnstation mit der M1 noch ein paar Stationen weiter fahren. Nur noch ein Wechsel der Straßenseite, dann sind wird da: Am Bürgerpark Pankow.

Lust auf eine Runde Wikingerschach?

Schon seit dem 19. Jahrhundert schlängelt sich der Park an der Panke entlang. Früher im Privatbesitz des Begründers der Berliner Börsenzeitung, wurde der Park 1907 mit dem Kauf durch die Gemeinde Pankow in eine öffentliche Grünanlage verwandelt. Obwohl der Park mit seinen gerade einmal 12 Hektar etwas mickrig anmutet, entdeckt der aufmerksame Besucher trotzdem einige Besonderheiten, die einen Besuch lohnenswert machen: Naturdenkmäler zum Beispiel, über 100 Jahre alten Baumbestand, einen Rosengarten der besonders im Sommer Gäste anzieht, Tiergehege mit Ziegen und eine Voliere mit Pfauen und Fasanen – neben einigen Kunstwerken und Denkmälern.

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Was uns ins Auge springt, sind allerdings eher die Menschen, die an diesem Nachmittag ausgiebig dem immer häufiger zu beobachtenden Berliner Trendsport nachgehen: Wikingerschach. Mit Holzklötzen werden andere Holzklötze abgeworfen, bis auf einer imaginären Spielfeldseite irgendwann keine Holzklötze mehr stehen – soweit die einfachen Grundzüge des Spiels. Gibt man noch ein paar Regeln hinzu und vermengt diese mit dem Wind der über den Park fegt und das Zielen nicht ganz so leicht macht, ergibt sich eine herausfordernde Mischung, für die der Bürgerpark Pankow mit seiner großen Wiese bestens geeignet ist. Letztere ist auch ein Anzugspunkt für alle jene, die den Nachmittag lieber für ein Sonnenband nutzen und sich anschließend im angrenzenden Biergarten eine Erfrischung genehmigen möchten. Zu guter Letzt ist auch für die Kleinen einiges geboten: Neben einem großen Spielplatz lädt der an den Park angrenzende Kinderbauernhof „Pinke Panke“ mit Eseln, Schweinen und allerlei Geflügel zum Entdecken ein.

Rittergefechte im Park nebenan

Wem die schön gestaltete Gartenanlage mitsamt Kunst- und Viehzeug zu viel Chichi ist und es lieber ursprünglicher mag, dem sei ein Besuch des anliegenden Volksparks Schönholzer Heide empfohlen. Der weitgehend naturbelassene, leicht hügelige und wesentlich baumhaltigere Park ist sogar so ursprünglich, dass gelegentlich mittelalterliche Ritter durch den Wald ziehen. Wie? Glaubt ihr nicht? Dann fragt am besten persönlich nach bei der Berliner Rittergilde die vierzehntägig im Volkspark für ihre Schaukämpfe trainiert. Dabei setzt die Truppe, wie wir erfahren haben, besonders auf Authentizität und regionalen Bezug. Nachgestellt wird eine fiktive Söldnertruppe aus dem Raum Berlin um das 14. Jahrhundert – mitsamt Speeren, Schwertern, Pfeil und Bogen, jeder Menge blauem Stoff und Rüstungen aus schwerem Metall – so orginialgetreu nachgebaut, dass diese schon einmal gut 40 Kilogramm wiegen kann. Hut ab!

Schon auf einer Ansichtskarte um das Jahr 1900 zu sehen ist im Übrigen das Eingangstor zum Bürgerpark, das sich mittlerweile als Wahrzeichen Pankows etabliert hat. Und auch wenn der Park keine so große Besonderheit darstellt, dass sich eine Fahrt durch die halbe Stadt dorthin lohnen würde – einmal den steinernen Bogen echt und in Farbe zu sehen, das hat schon was.

Eure Sarah

Park in Progress

Urban Agriculture – Was in New York als neuer Trend gehandelt wird, ist in den Weiten Berlins schon längst Realität. Glaubt ihr nicht? Dann setzt sofort in die M8 Richtung Herzbergstraße. Denn Plattenbauten sind nicht das einzige, was in Lichtenberg aus dem Boden sprießt

Als „Park in Progress“ stellt ein Schild am Eingang das weitläufige Areal rund um das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge vor. Seit 2010 als Landschaftspark Herzberge mehr oder minder bekannt, erstreckt sich das Stück Wandel in Berlin über eine Fläche von gut 100 Hektar.

Dabei ist der Landschaftspark Herzberge kein Park im klassischen Sinn. Er ist vielmehr eine Mischung aus Brach- und Grün-, Erholungs- und Nutzflächen. Neben einem Teich, Schafweiden, den obligatorischen Bäumen und einer Streuobstwiese beherbergt er auch ein Krankenhaus und gar Wohnanlagen.

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Als Berlin sich im 19. Jahrhundert sprunghaft ausdehnte, wurde neben den umliegenden Gemeinden auch viel landwirtschaftliche Fläche Teil der Stadt – Urban Agriculture in ihrer frühesten Form. Seit einigen Jahren versucht man im Landschaftspark Herzberge eine solche urbane Landwirtschaft wieder aufleben zu lassen. Daher ist der Park, der sich immer noch in einem Entstehungsprozess befindet, gleichzeitig Erholungsort und landwirtschaftliche Nutzfläche. Schlendert man das gesamte Areal ab, wirkt der Park wie ein Flickenteppich – hinter jeder Gabelung verbirgt sich was Neues. Hier einige eingezäunte Wiesen für die Schafe, dort ein dichtes Wäldchen, im Süden eine weitläufige Fläche mit Obstbäumen. Zum Erholen lädt außerdem die Gartenanlage mit Springbrunnen des Evangelischen Krankenhauses ein (das nebenbei bemerkt überhaupt nicht wie eines aussieht). Wer außerdem schon einmal in Barcelona war, den wird die Mosaikbank am südlichsten Ende des Geländes unweigerlich an Gaudis Park Güell erinnern. Auch ein bisschen Kunst wird also geboten.

Yoga nicht unter, sondern mit dem Weidenbaum

Neben seiner vielseitigen Landschaft wartet der Park mit einem vielfältigen Programm auf: Kleine Besucher erwartet eine Quiz-Rallye, Entspannungsbegeisterte lädt ein Natur- und Gesundheitspfad zu 15 verschiedenen Yoga-artigen Übungen ein. Diese muten teilweise skurril an – so sollen wir beispielsweise bei einem ausladenden Weidenbaum unsere Aura stärken (Weide anschauen, Augen schließen, mit Weide verbinden, Arme schlangengleich auf und ab bewegen und auf gar keinen Fall das Atmen vergessen!). Aber wer ein bisschen Zeit und Neugierde mitbringt, wird bei den Stationen, egal ob er die Übungen befolgt oder nicht, vor allem eines finden: Ruhe. Denn im Gegensatz zum Volkspark Friedrichshain ist der Landschaftspark Herzberge keineswegs überlaufen.

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Das Einzige, das wir beim ausgiebigen Spaziergang durch den Landschaftspark beim besten Willen nicht ausfindig machen konnten, ist das so viel umworbene und groß angekündigte Pommersche Landschaf. Als natürlicher Rasenmäher sollte es über eingezäunte Grünflächen streifen und für Bauernhofatmosphäre sorgen. Aber auch ohne Schaf hat der Landschaftspark Herzberge es geschafft, mich von sich zu überzeugen. So werde ich ihn in die Liste meiner besonderen Orte in Berlin aufnehmen. Er ist vielleicht keines der Sightseeing-Highlights der Hauptstadt und nicht zu vergleichen mit einem Tiergarten in Mitte. Er bietet keine hippen Cafés, aber ein Fleckchen Ruhe inmitten der Großstadt. Und einen Besuch, der im Gedächtnis bleibt.

Neuer Garten

Mein Gott, wie ist es schön, einen Park in der Stadt zu haben. Glücklich sind die, die zwei Parks in der Stadt haben. Wenn man aber ganz und gar drei Parks in der Stadt hat, ist doch das Glück perfekt. Welche Stadt kann das schon von sich behaupten? Etwas kleiner, aber nicht weniger imposant als seine großen Brüder, Park Sanssouci und Babelsberg, fügt sich der Neue Garten in die atemberaubende Fluss- und Seenlandschaft in und um Potsdam ein.

Und dabei eignet sich der Neue Garten sich viel besser zur sportlichen Freizeitgestaltung als die anderen beiden: So lässt es sich easy mit Hunderten junger Menschen bis spätabends am Strand zwischen Heiligem und Jungfernsee abhängen und Frisbee spielen oder ins Wasser gehen oder heimlich Grillen oder sonstwie gegen die Parkordnung verstoßen.

Daneben lassen sich an lauen Sommerabenden ausgedehnte Spaziergänge oder eine entspannte Radtour durch den Park machen. Solltet ihr den Tag noch etwas sportlicher ausklingen lassen wollen, so empfiehlt sich eine Joggingrunde um den Heiligen See. Eine Umrundung ist übrigens genau 3,6 km lang, es sei denn ihr legt einen sportlichen Zwischenstopp im Biergarten der Meierei direkt am Jungfernsee für ein hausgebrautes isotonisches Kaltgetränk ein, nur um im Anschluss beflügelt weiterzujoggen oder auch einfach sitzen zu bleiben und den traumhaften Blick über den Jungfernsee bis rüber zur Heilandskirche in Sacrow zu genießen. Übrigens verkaufen die Jungs und Mädels das dort Gebraute auch außer Haus. Ihr müsst euch bloß eure eigenen Flaschen mitbringen.

Die Triathleten unter euch können jedoch nach erfolgreich beendeter Joggingrunde noch den 1,4 km langen See schwimmend durchqueren, was aber schon eine ziemliche Hausnummer ist und nur geübten Schwimmern vorbehalten bleiben sollte. Für uns wär’s nix.

Tagsüber lohnt sich natürlich auch der Besuch des geschichtsträchtigen Schlosses Cecilienhof, welches im englischen Landhausstil erbaut wurde und heute sowohl Hotel als auch Museum beherbergt. Stichworte „Potsdamer Konferenz ‘45“ oder „Prinzessin Cecilie“ und so weiter und sofort.

Zum Schluss ein Arbeitsauftrag für alle: Auf in den Neuen Garten und sucht und entdeckt den großen und kleinen Elefanten hinter einer Pyramide, welche mal ein Kühlschrank war. Viel Erfolg.

Park Sanssouci

Also, wir wollen ja gar nicht viele Worte über seine preußische Geschichte oder architektonischen Besonderheiten verlieren, sondern euch diesen Park einfach in seiner ganzen Pracht präsentieren.

Unbestritten ist, dass er die Mutter aller Dinge ist, die ihr in Potsdam getan haben müsst. Sowohl für Potsdam-Touristen als auch „Ureinwohner“ ist der Besuch der größten der drei Potsdamer Parkanlagen – neben Neuem Garten und Park Babelsberg – Pflichtprogramm. Zwar wirkt er auf der Karte gar nicht so riesig, aber jede Wette, ihr werdet es nicht schaffen, all seine natürlichen und architektonischen Attraktionen an einem Tag zu erkunden, auch wenn ihr noch so früh aufsteht. Er ist ganzjährig von 6 Uhr bis 20:30 Uhr geöffnet und der Eintritt ist kostenlos, ihr könnt jedoch an diversen Haupteingängen einen freiwilligen Betrag zur Unterstützung von Erhalt und Pflege des Parks abdrücken.

‚Hauptschlagader‘ ist jedenfalls der 2,5 Kilometer lange Hauptweg, der schnurgerade vom Neuen Palais bis zum Obelisk am östlichen Parkende führt und vereinzelt von wunderschönen, riesigen Fontänen unterbrochen wird. Von ihm gehen unzählige verwinkelte Seitenpfade mit insgesamt fast 70 Kilometer Wegelänge zu den 22 mehr oder weniger offiziellen Eingängen ab.

Fun Fact übrigens: In seinem Umfang misst der Park 7,1 km, wenn du die Maulbeerallee als äußere Parkbegrenzung hinzuziehst.

Dem geneigten Durch-den-Park-Schlenderer wird auffallen, dass eine Hälfte ein barocker Ziergarten mit messerscharf abgesteckten Rasenflächen, Blumenrabatten in allen Farben der Welt und turmhohen Hecken ist, wohingegen die andere Hälfte im Stil eines englischen Gartens beeindruckt und etwas wilder und naturbelassener, aber nicht weniger schön ist. Und irgendwie würde es nicht wundern, wenn irgendwo im Areal zwei rokokobekleidete Hofdamen den Weg kreuzten. Obwohl … einmal im Jahr passiert das ja sogar >>

Und folgende Tipps wollen wir euch nicht vorenthalten: Wunderschön ist der Park insbesondere im Winter, wenn es geschneit hat und die Sonne scheint. Dann gibt es fast nichts Schöneres als einen Spaziergang durch den Park und ein anschließender Besuch im Drachenhaus und einer Tasse Kaffee, um sich aufzuwärmen. Weiteres Highlight ist der Flötenspieler vom Mühlentor. Ob Schubert, Vivaldi oder Mozart, ob Sonne oder Regen, Helmut Sabers spielt als preußischer Hofdiener verkleidet seit gefühlten 100 Jahren auf seiner Querflöte am Mühlentor hinter dem Schloss Sanssouci. Wirklich nett anzuhören und eine Attraktion für Besucher. Und wenn ihr danach Gelegenheit habt, einen Blick zum Beispiel vom Turm der Orangerie zu werfen, habt ihr einen unfassbaren Ausblick auf diesen schönen Park und die Stadt dahinter.

Und wenn euch der einfache Parkbesuch nicht genug ist, dann sei euch entweder die Potsdamer Schlössernacht Mitte August wärmstens ans Herz gelegt, bei der ihr romantisch durch den Park schlendern und jeglicher Art klassischer Musik lauschen könnt oder die Teilnahme am Potsdamer Schlösserlauf Anfang Juni >> , dessen 21 km lange Strecke euch ebenfalls teilweise durch den Park führt. Aber egal, wie ihr den Park besucht: Feststeht, dass er das bedeutendste Stück Kultur in Potsdam ist.